Über die Arbeit
In meiner Arbeit 4'04'' setze ich mich mit der Grenze zwischen technischer Präzision und Wahrnehmung auseinander. Mich interessiert, wie sehr unsere Sehgewohnheiten durch Technik geprägt sind – und was passiert, wenn diese Technik aus dem Ruder läuft. Ich habe eine digitale Kamera durch sogenanntes Circuit Bending modifiziert. Dabei wurden interne Verbindungen verändert, die das Bildsignal zum Sensor leiten. Die Kamera produziert nun Störungen, Glitches und Farbverfälschungen, sie funktioniert nicht mehr „korrekt“, sondern zeigt ein manipuliertes, fehlerhaftes Bild. Um diesen Effekt bewusst sichtbar zu machen, habe ich klassische Werkzeuge der fotografischen Kalibrierung inszeniert: Graukarten, Color Checker, Weißkarten und Siemenssterne. Diese Systeme, die normalerweise für Objektivität und Farbkonsistenz stehen, verlieren durch die Störungen ihre Funktion. Farben kippen, Muster zerfallen, das Bild wird unbrauchbar im technischen Sinn, aber dadurch auch neu interpretierbar. Ergänzend habe ich ein Video erstellt, in dem sich die Kamera selbst filmt, während sie auf einen Bildschirm gerichtet ist. Überlagert wird das Bild von Auszügen aus ihrer eigenen Bedienungsanleitung. Die Kamera wird so zum Subjekt: Sie beobachtet sich selbst, erzeugt ein endloses Feedback – und beginnt, sich und ihre Regeln zu hinterfragen.
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